Zeit ohne Zeitformen: fünf Wörter statt Konjugation

Im Indonesischen wird kein Verb je verändert. Zeit entsteht durch fünf kleine Wörter vor dem Verb — sudah (schon), sedang (gerade), akan (wird), belum (noch nicht), masih (noch). Das ist das ganze System.

Lingo, der grüne Papagei, zeigt erklärend mit dem Flügel

Sudah makan? — Schon gegessen? Kein Verb wird je gebeugt.

Die fünf Zeitwörter

Die fünf Zeitwörter

sudah — schon, bereits geschehen. sedang — gerade dabei. akan — wird, künftig. belum — noch nicht. masih — noch, immer noch.

sudah ist fertig, belum ist noch nicht fertig — die beiden sind ein Paar und die häufigste Frage überhaupt.

Sudah makan? — die Standardfrage

Sudah makan? („Schon gegessen?“) ist eine übliche Höflichkeitsfrage, ähnlich wie „Wie geht's?“. Die Antwort ist sudah oder belum — nie tidak.

Auf sudah-Fragen antwortet man mit sudah oder belum. tidak wäre hier falsch.

— Sudah makan? — Belum. — Schon gegessen? — Noch nicht. · Saya sudah pesan. — Ich habe schon bestellt.

Die Zeitangabe reicht oft schon

Steht eine Zeitangabe im Satz, braucht es kein Zeitwort mehr: kemarin saya makan — gestern aß ich. Das Verb bleibt unverändert.

Ein Zeitwort oder eine Zeitangabe. Beides zusammen ist nicht falsch, aber überflüssig.

kemarin — gestern · besok — morgen

bisa, mau, harus

bisa (können), mau (wollen, möchten), harus (müssen), boleh (dürfen). Sie stehen vor dem Verb und ändern sich ebenfalls nie.

mau ist im Lokal das Bestellwort: saya mau… — ich möchte…

Saya mau pesan. — Ich möchte bestellen. · Bisa bayar dengan kartu? — Kann man mit Karte zahlen?

pernah — jemals

pernah heißt „schon einmal“ und fragt nach Erfahrung: Pernah ke Bali? — Warst du schon mal auf Bali? Verneint: belum pernah.

sudah fragt nach heute, pernah nach dem ganzen Leben.

Pernah makan durian? — Hast du schon mal Durian gegessen? · Belum pernah. — Noch nie.

Was das fürs Lernen bedeutet

Was in romanischen Sprachen Monate kostet (Konjugationstabellen, unregelmäßige Verben, Zeitenfolge), entfällt komplett. Ein Verb gelernt heißt: in jeder Zeit, jeder Person einsetzbar. Deshalb kommt man im Indonesischen schneller ins Sprechen als in jeder europäischen Sprache.

Die Denkarbeit steckt woanders: im Satzbau und in den Affixen, mit denen aus einem Stamm ganze Wortfamilien entstehen. Beides hat im Kurs eigene Module.

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